Das Einlöten eines Motors in ein Flexi- oder Eurosport-Chassis ist eigentlich nicht schwer. Man muss nur die richtigen Kniffe kennen. Am besten lässt man sich das von einem erfahrenen Flexi-Fahrer mal live zeigen.

Trotzdem versuchen wir hier mal einen möglichen Weg mit ein paar Bildern zu beschreiben. Es handelt sich dabei „nur“ um einen gebrauchten Motor, den ich für Clubrennen in ein gebrauchtes Chassis gelötet habe. Deshalb sieht das auf den Bildern teilweise ein bisschen dreckig aus. Ist aber alles vorher gereinigt worden.

Einbau

Das wichtigste Hilfsmittel ist ein Brett mit Ausfräsungen für Hinterräder und Leitkiel. Die eingelassenen Magnete halten das Chassis fest. Man kann diese Brettchen in den Schnellfahrer-Slot-Car-Shops kaufen, oder natürlich selber herstellen. 10 mm dickes Pertinax ist ganz gut geeignet.

Wenn man auf das Brett im Bereich der Motoraussparung ein Stück Kreppband klebt, schützt das erstens das Brett ein wenig, und zweitens sitzt der Motor nach dem Einlöten sicher nicht tiefer als das Chassis. Manche Reglements verbieten das.

Hier sieht man auch schon, in welcher Position ich den Motorhalter einlöte. Beim ersten Mal wird der mit auf das Chassis gelötet. Aber noch nicht jetzt, das kommt später, wenn der Motor halb drin ist. Ist der Halter einmal fest, muss man ihn eigentlich auch beim Motortausch nicht mehr lösen.

 

Übrigens sind die zurzeit käuflichen Chassis von JK und Mossetti zumindest schwach magnetisch. Auch wenn manch einer der Meinung ist, die Edelstahllegierung sei nicht magnetisch.

 

Bevor man das Ritzel aufklebt oder -lötet, sollte man den Motor mal in das Chassis halten. Dann merkt oder markiert man sich, wie weit das Ritzel auf die Welle geschoben werden muss. Anschließend erst auflöten (das wird aber eine andere Anleitung) oder besser mit LocTite 648 aufkleben. 5 Minuten trocknen lassen, fertig.

Es schadet nicht, zwischen Spurrad und Lager eine dünne Scheibe zu montieren. Sollte das Getriebespiel zum Schluss nicht passen, kann man damit noch ein bisschen korrigieren.

 

Um den Motor möglichst nah an die Hinterachse zu bringen (bessere Straßenlage), muss die Kerbe auf der Rückseite in der Regel noch tiefer gefräst werden. Das geht am besten mit einer Dremel und einem Diamantschleifer vom Zahnarzt (nach alten Werkzeugen fragen). Wenn man das am fertigen Motor macht, vorher den ganzen Motor in Kreppband einwickeln (außer diese Stelle). Sonst verteilt sich der Schleifstaub im gesamten Motor.

Auch die Lötstellen an Motor und Chassis sollte man bei neuen Komponenten einmal mit Feile oder Dremel anrauhen.

 

Wenn ich den Motor ins Chassis lege, stecke ich einen Streifen Papier zwischen die Kerbe und die Hinterachse. So verhindere ich, dass der Motor nach dem Einlöten die Achse berührt.

 

Wie im nächsten Bild dargestellt, wird nun das Getriebespiel eingestellt. Bei den aktuellen Cahoza Spurrädern (die von enorm guter Qualität sind!), sollte das Spiel so gering wie irgend möglich eingestellt werden. Selbst der „alte“ Tipp, ein Stück Zeitung dazwischen zu stecken, ergibt mir schon zu viel Spiel. Gerade bei neuen Spurrädern stelle ich lieber gar kein Spiel als zu viel Spiel ein.

Ich mache das nach Gefühl und nach Gehör. Motor fest reinhalten, am Hinterrad drehen und hören, wann sich das Getriebe möglichst leise anhört. Motorritzel und/oder Spurrad werden immer ein wenig Höhenschlag haben, d.h. man sollte das Getriebe mehrfach komplett um 360° drehen, da es immer Stellen mit mehr, und solche mit weniger Spiel gibt. Ich stelle die Position mit dem geringsten Spiel auf 0 ein.

Tipp für gebrauchte Getriebe: bei gebrauchten Ritzeln/Spurrädern benötigt man oft ein wenig mehr Spiel. Durch vorwärts und rückwärts drehen prüft man das Geräusch beim Bremsen und beim Beschleunigen. Aber „falsch rum“: wenn man rückwärts am Reifen dreht, hört man wie laut das Getriebe beim Beschleunigen sein wird, da sich dann die entsprechenden Zahnflanken berühren. Stellt das Spiel so ein, dass das Getriebe möglichst leise ist.

 

Wenn das Spiel eingestellt ist, den Motor schön weiter festhalten (sieht man im nächsten Bild nicht, weil Monteur und Fotograf dieselbe Person sind 🙂 ). Mit einem Pinsel (ich habe dazu eine Pinselflasche) Lötwasser an die erste Lötstelle, siehe Bild.

 

Ganz wenig Lötzinn an die Lötspitze eines 80W Lötkolbens. Wirklich nur so ca. 2-3 mm Lötzinn schmelzen.

 

Und an die Lötstelle halten, ca. 5 Sekunden sollten normalerweise reichen (ich höre darauf, wann das Lötwasser aufhört zu zischen). Aber auch wieder, wie oben gezeigt, den Motor weiter festhalten, zur Not mit Handschuh. Der Monteur & Fotograf hatte hier immer noch keine 3 Hände.

Jetzt sollte man das Getriebespiel nochmal prüfen. Wenn es nicht passt, wieder ablöten und nochmal von vorne das Ganze.

Anschließend hinten die zweite Lötstelle einpinseln. Wenn der Motorhalter noch mit angelötet werden muss, diesen zuerst auf das Chassis löten. Wenn er nicht an Ort und Stelle bleiben will, hilft eine Wäscheklammer aus Holz.

 

Und wieder mit wenig Lötzinn anlöten (darf aber etwas mehr sein, als an der ersten Lötstelle). Diesmal schön über die gesamte Länge von rechts bis links ziehen.

 

So sollte das dann aussehen.

Das Spiel muss jetzt stimmen. Ist es nicht in Ordnung, kann man evtl. durch Hinzufügen oder Entfernen von dünnen Scheiben zwischen Spurrad und Lager etwas korrigieren. Falls nicht, noch mal raus und wieder von vorne.

Wenn das Spiel passt, wird die erste Lötstelle nochmal von unten eingepinselt und nachgelötet, und wieder mit nur wenig Lötzinn. 

 

Von unten sollten die Lötstellen dann so aussehen.

Und so in schön bei einem Wettbewerbsfahrzeug.

 

Nach dem Löten alle Lötstellen und die Umgebungen (Hinterachse, Lager, etc.) schön mit Wasser, Waschbenzin, Bremsenreiniger, oder was gerade so rumsteht, sauber machen. Das verspritzte Lötwasser bringt sonst alles  zum Rosten.

Und wenn man anfangs evtl. doch noch eine Hand zu wenig hat, oder das Chassis doch nicht magnetisch ist, hilft, wie oben schon erwähnt, eine Wäscheklammer aus Holz. Ggf. ein bisschen pimpen 😉 .

 

Und wieder raus

Das Auslöten ist manchmal nicht so einfach, wie man zunächst denkt. Man muss ja jetzt mit einem Lötkolben mehrere Lötstellen mehr oder weniger gleichzeitig heiß kriegen. Der erste Trick liegt schon beim Einlöten: wenig Lötzinn (steht ja auch nur ungefähr dreimal oben 😉 ). Der zweite Trick liegt im „mehr oder weniger gleichzeitig“. Das Brettchen wird jetzt nicht mehr benötigt.

Ich fange an der hinteren Lötstelle an. Ein bisschen Lötzinn an die Lötkolbenspitze geben, das erleichtert den Wärmeübergang. Dann die gesamte hintere Lötstelle erhitzen. Gleichzeitig mit einem Finger unter dem Motorkopf vorsichtig den Motor anheben. Solange, bis er sich tatsächlich bewegt.

Dann schnell das Chassis auf den Kopf drehen und die stirnseitige Lötstelle von unten erhitzen, bis das Lötzinn flüssig wird (ggf. nochmal vorher ein bisschen Lötzinn dazu). Wenn der Motor jetzt noch nicht rausfällt, noch mal das Chassis umdrehen und wieder die hintere Lötstelle erhitzen und mit einem Finger unter dem Kopf ziehen. Spätestens jetzt sollte sich der Motor lösen. Sonst weiter immer abwechselnd erhitzen.

Nach dem der Motor raus ist, lassen sich die Lötstellen am besten durch weiteres Erhitzen mit dem Lötkolben, und anschließendes Wegwischen des flüssigen Lötzinns mit einem Lappen, säubern. Ich habe auch schon Slotracer gesehen, die das flüssige Lötzinn mit dem Finger wegwischen 😐 .

Wenn ich das nächste Mal einen Motor nicht im Rennen tausche und auch noch ein Fotograf neben mir steht, füge ich noch Bilder vom Auslöten hinzu 🙂 .

 

So, jetzt Lötkolben an und viel Spaß beim Löten!

Benno vom SAC